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Arbeitsgemeinschaft Pruritusforschung (AGP)

Die Arbeitsgemeinschaft Pruritusforschung (AGP) ist eine neu gegründete Arbeitsgemeinschaft aus Ärzten und Naturwissenschaftlern, die auf dem Gebiet des Pruritus klinisch und / oder experimentell arbeiten, forschen, lehren oder daran interessiert sind. Die Arbeitsgemeinschaft ist interdisziplinär und vereint verschiedene medizinische Fachgruppen, Grundlagenforscher und die forschende Industrie. Ziel der Arbeitsgemeinschaft ist die Förderung von Forschung, Lehre und Ausbildung zum Thema Juckreiz. Die AGP ist uneigennützig tätig und verfolgt keine eigenwirtschaftlichen Zwecke.

Die Ziele der Arbeitsgemeinschaft sollen erreicht werden durch:

  • Schaffung eines Forums durch Sitzungen und regelmäßige Arbeitstreffen für die Präsentation und Diskussion von Forschungsergebnissen
  • Förderung der Forschung nach neuen Erkenntnissen, der angewandten Wissenschaft und des wissenschaftlichen Nachwuchses
  • Verbreitung neuerer Erkenntnisse zu Pathophysiologie, Ursachen und Therapien von Pruritus insbesondere der Sicherheit und Wirksamkeit von neuen antipruritischen Behandlungsverfahren zum Nutzen der Patienten. Zu diesem Zweck kann u.a. die Vergabe von Interviews und Beiträge für die Medien koordiniert werden
  • Organisation, Koordination und Durchführung von Multizenterstudien
  • Mitwirkung in Gremien, die sich mit klinischer oder experimenteller Pruritusforschung, Entwicklung neuer antipruritischer Therapien oder Erstellung von Leitlinien befassen
  • Unterstützung bei der Erstellung von deutschsprachigen Leitlinien
  • Aus- und Fortbildung von Fachspezialisten in der Versorgung von Patienten mit chronischem Pruritus


Bericht über die Gründung der „Arbeitsgemeinschaft Pruritusforschung (AGP)“


Die 34. Tagung der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) in Dresden hatte viele Höhepunkte; einer davon war die Gründung der „Arbeitsgemeinschaft Pruritusforschung (AGP)“ als neue Gruppierung innerhalb der DDG. Es bestand bereits ein interdisziplinäres Netzwerk nationaler Pruritusforscher, welche konsequenterweise ein gemeinsames Forum zum regelmäßigen Austausch suchten. Die DDG bot sich als Dachgesellschaft an, da viele interessierte Kollegen bereits in dieser Gesellschaft aktiv sind.
Gleichzeitig legt die DDG seit je her großen Wert auf eine interdisziplinäre Verknüpfung mit den unterschiedlichen Fachgebieten der Medizin, was für die aktuelle Pruritusforschung unverzichtbar geworden ist.

Die AGP entstand so aus vielfältigen Aktivitäten verschiedener hiesiger Juckreizforscher. Im letzten Jahrzehnt wurde aus dem deutschsprachigen Raum viel zum Verständnis der Pathophysiologie und Neuroanatomie des akuten und chronischen Pruritus beigetragen. Erstmals wurden in Deutschland Leitlinien zur Versorgung von Patienten mit chronischem Pruritus definiert und eine klinische Klassifikation erarbeitet, die mittlerweile international Anerkennung gefunden hat. An der Gründung der internationalen Gesellschaft International Forum for the Study of Itch (www.itchforum.net ) waren deutschsprachige Wissenschaftler maßgeblich beteiligt. Ein weiterer Meilenstein war die Organisation des 3. Weltkongress für Juckreizforschung durch ein deutsches interdisziplinäres Team, welcher im September 2005 in Heidelberg stattfand.

Die AGP sieht eine seiner Aufgaben in der Vernetzung von Ärzten und Naturwissenschaftlern aller Fachrichtungen der Medizin, die an der Pruritusforschung interessiert sind und dort klinisch oder experimentell arbeiten.
Der wissenschaftliche Austausch soll auf regelmäßigen Arbeitstreffen stattfinden und durch den bereits etablierten Internetauftritt (www.pruritus-forschung.de) unterstützt werden. Trotz großer Fortschritte in den vergangenen Jahren hat die Pruritusforschung zukünftig noch vielfältige Aufgaben zu bewältigen. Besonders wichtig sind die Gewinnung epidemiologischer Daten zur Inzidenz und Prävalenz von chronischem Pruritus in der Bevölkerung (geschätzt ca. 10%) sowie die Untersuchungen zur Versorgung älterer Patienten, die Erstellung von Therapiekonzepten für bestimmte Diagnose-und Patientengruppen unter Berücksichtigung aktueller gesundheitspolitischer Entwicklungen. Auch sind molekularbiologische Untersuchungen zum Verständnis bestimmter Juckreizformen wie z.B. des aquagenen oder renalen Pruritus erforderlich, um dringend benötigte neue Therapiekonzepte entwickeln zu können.

Die Arbeitsgemeinschaft Pruritusforschung wurde im Rahmen einer Arbeitssitzung gegründet, auf der gleichzeitig die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse von verschiedenen Experten dargestellt wurden. Der Neurophysiolo-ge Martin Schmelz aus Mannheim präsentierte Untersuchungen zu „Neuen Juckreizfasern“. Er demonstrierte, dass neben den Histaminempfindlichen, mechanoinsensitiven Nervenfasern auch andere C-Fasern Pruritus mediieren können. Hier stehen derzeit elektrisch stimulierbare CFasern als auch Endothelin-positive mechanosensitive Nerven im Mittelpunkt des Forschungsinteresses. Dieser Vortrag löste großes Interesse und eine lebhafte Diskussion bei der Zuhörerschaft aus. Als Redner folgte Thomas Mettang, Internist aus Wiesbaden, der einen Überblick über das Thema „Inflammation bei Pruritus innerer Erkrankungen“ gab. Hierzu liegen insbesondere für den renalen Pruritus neue Daten vor, die von einer Th1-mediierten Inflammation als Hauptursache des Pruritus ausgeht und ältere pathogenetische Vorstellungen wie die Störung der Opiathomöostase als Erklärungsmodel abgelöst haben. Diese Erkenntnisse führen zu einem Paradigmenwechsel auch in der Therapie des urämischen Pruritus, was Anlass zu einer weiteren lebhaften Diskussion gab.

Ein weiteres wichtiges Thema war die „Evidenzbasierte Medizin und Pruritus“ präsentiert von der Dermatologin und Sozialmedizinerin Elke Weisshaar aus Heidelberg. In ihrem Vortrag wurde klar, dass für viele der seit Jahren eingesetzten antipruritischen Therapien eine unzureichende Datenlage besteht und weitere Überprüfungen der empfohlenen Konzepte in kontrollierten Studien notwendig sind. Dies ist insbesondere vor dem Hintergrund der letzten Reformen des Arzneimittelgesetzes und der Studienordnung nicht unproblematisch umzusetzen und führte zu einem regen Meinungsaustausch mit den anwesenden Vertretern der forschenden Pharmaindustrie. Der letzte Vortrag an diesem Nachmittag kam von der Dermatologin Sonja Ständer und beleuchtete die „Ursachen von chronischem Pruritus“. In einer Münsteraner Untersuchung konnte kürzlich gezeigt werden, dass im untersuchten Gesamtkollektiv der Prurituspatienten in den meisten Fällen eine Dermatose (41%) bzw. internistische Erkrankung (13%) ursächlich war. Dies hat Relevanz für die durchzuführenden initialen Screeninguntersuchungen. Interessanterweise konnte gezeigt werden, dass bei älteren Patienten eine multifaktorielle Genese des Pruritus vorlag ohne dass eine klare zeitliche Korrelation mit dem Auftreten der verschiedenen Erkrankungen dargestellt werden konnte.

Derzeit ist Elke Weisshaar gewählte Vorsitzende, Martin Metz und Andreas Kremer stellvertretende Vorsitzende. Interessierte finden weitere Informationen unter www.pruritus-forschung.de, hier ist auch das Mitgliederformular hinterlegt (Mitgliedschaft beitragsfrei).



www.pruritus-forschung.de